TEXTE

 

Roberto Frabetti, Mitbegründer der Kindertheatergruppe La Baracca, über sein Kinderkrippenprojekt:

" Wir haben das Publikum nie so stark als Weggefährten empfunden wie bei der Erfahrung mit den Aufführungen mit den Null- bis Dreijährigen. Vielleicht hängt das von der Hingabe eines Publikums ab, das eben da ist oder nicht da ist, das durch starke und deutliche Äußerungen akzeptiert oder verweigert. Das einen besonderen Atemrhythmus hat, das Angst hat oder nicht, das wegen eines zu starken Geräuschs weint. Dass dich zwingt, ... dich ihm zu erkennen zu geben. ...
Kinder wollen lernen. Und es ist kein kleiner Wunsch, nur weil sie klein sind. ... Die Allerkleinsten sind ausgezeichnete Zuschauer. ... Sie schenken dem, was gerade geschieht, ungeheuren Glauben, ebenso denen, ... die sich ihnen zuwenden. ... Sie sind bereit zuzuhören, um sich alles, was sie nur können, einzuverleiben. Ihr Verlangen danach, etwas zu besitzen, ist sehr stark: die Situation, die Gefühle, alles, was dazu dienen könnte, um ihr Wissensgebiet auszudehnen. ... Die Pause, lautstark oder motorisch, ist für einen Erwachsenen, verglichen mit einem Kind aus der Krippe, zutiefst verwirrend. Die Ruhe des Kindes hingegen ist Teil einer anderen Kultur, und ihr Reichtum liegt in ihrer Einfachheit, eben nur ruhig zu sein."

(zitiert aus " Spielplatz 13", Sieben Theaterstücke für die Allerkleinsten, Verlag der Autoren, Frankfurt am Main, 2000)